Kommentar der Kirchenzeitung: Echte Fründe ston zesamme

26.02.2014

Von einem Skandal wird in Düsseldorf gesprochen, wo die Ordensgemeinschaft der Armen Brüder vom Heiligen Franziskus mit den dazugehörigen Sozialwerken mehr als sieben Millionen Euro verloren haben. Ein unglückliches Investment hat die Verantwortlichen in der Alten-und Wohnungslosenhilfe um den Franziskanerbruder Matthäus Werner um ihren guten Ruf gebracht. Natürlich liegt es nahe, Bruder Matthäus und seinem Geschäftsführer Theo Wollschläger vorzuwerfen, der Mammon sei ihnen wichtiger gewesen als die Sicherung der Hilfe am Rande lebender Menschen.
Weit gefehlt. Die Glaubwürdigkeit von Bruder Matthäus und dem Geschäftsführer Theo Wollschläger in Frage zu stellen, geht am Kern vorbei. Sie haben mit vielen engagierten Mitarbeitern und hoher Professionalität in den vergangenen Jahren die vielen Wohn- und Arbeitsprojekte, die stationären und ambulanten Angebote entwickelt. Ohne diese ausgeprägte Fachlichkeit wäre die Begleitung und Versorgung insbesondere der wohnungslosen Menschen in Düsseldorf sicher nicht dort, wo sie heute steht.
Mit dem moralischen Zeigefinger das Finanzgebaren zu kritisieren und gleichzeitig darum zu wissen, jahrelang von dem Erfolg der Wohnungslosenhilfe der Armen Brüder vom Heiligen Franziskus und der Leuchtkraft des „Berber-Papstes“ Bruder Matthäus profitiert zu haben, grenzt an Scheinheiligkeit. Daran sollten sich die Kritiker erinnern, wenn sie die Integrität der handelnden Menschen in Frage stellen. Schließlich spricht es für wirtschaftliche Vernunft, eine hohe Investitionsrücklage zu bilden, um im Finanzierungsfall nicht auf Kredite zurückgreifen und damit verbunden Personal einzusparen zu müssen, um Zinsen zahlen zu können. Schade erscheint es im Lichte der Ereignisse, beim Fundraising fast nur auf eine Karte gesetzt zu haben. Um Vertrauen wiederzugewinnen gilt es nun, breit angelegte und glaubhafte Konzepte zu Spendenakquise und Öffentlichkeitsarbeit zu entwickeln.
Bruder Matthäus und Theo Wollschläger sind das lebendige Beispiel dafür, dass in guten und schlechten Tagen Menschen beieinander stehen müssen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Wer heute behauptet, durch die Straßenzeitung „fifty-fifty“ sei Bruder Matthäus zu der Vorbildfigur und moralischen Instanz geworden, die er heute für viele Menschen in Düsseldorf und im Erzbistum Köln ist, dann ist dies nur ein Teil der Wahrheit. Im Glanze des schüchternen, zurückhaltenden, aber immer präsenten Franziskanerbruders Matthäus haben viele andere Prominente ihren Glanz heller strahlen lassen wollen. Umso schlimmer wirkt es, dass sich die Verantwortlichen der Obdachlosenzeitung „fifty-fifty“ jetzt aus dem Staub machen wollen, wenn sie die Schirmherrschaft für das Straßenblatt in Frage stellen. In diesem Kontext sei an die Kölner Kult-Band erinnert: „Echte Fründe ston zesamme.“ Diesen Hit kennt man doch eigentlich auch in Düsseldorf.

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