Ehe

Warum kirchlich heiraten?

"Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens." Dieses Versprechen geben sich immer wieder Brautleute vor dem Traualtar, wenn sie spüren, dass die Qualität ihrer Beziehung eine neue Stufe erreicht hat.

Wenn ein Mann und  eine Frau sich öffentlich so in der Kirche zueinander bekennt, dann redet die katholische Kirche von einem heilmachenden Zeichen, von einem Sakrament. Im Sakrament der Ehe wird für die Kirche sichtbar, wie Gott sich zu uns Menschen verhält: Er will uns, umwirbt uns, liebt uns - so wie die Partner sich umwerben und lieben.

Kirchlich zu heiraten bedeutet, die Beziehung der Liebenden bewußt unter den Segen Gottes zu stellen und vor Zeugen zu bekennen, dass sie sich nie aus der Weggemeinschaft Ehe entlassen wollen. Die Liebenden freuen sich darauf, den Lernprozess Ehe unter Gottes Schutz immer wieder neu entwickeln zu dürfen.

Was geschieht bei der Ehespendung?

Dass Liebe, Treue und Gerechtigkeit nicht nur Wörter bleiben, die man sich zusagt, ist also das große Thema des christlichen Ehesakramentes. Wer jemandem so die Treue verspricht, will das eigene Leben nicht mehr unabhängig vom Leben des anderen führen, sondern sein Leben so mit dem des anderen verknüpfen, dass aus zwei Biographien eine wird. Die individuellen Kurzgeschichten der einzelnen Lebensgeschichte fließen dann in einen großen, gemeinsam zu schreibenden Roman. Die Autoren sind Mann und Frau selbst. Neben Liebesromanen kann man hier auch Krimis schreiben oder Abenteuerromane, in manchen Phasen aber auch vielleicht nur ein Sachbuch.Und Gott steht mit im Wort. So hat es sein Sohn Jesus Christus versprochen!

So könnte man die Ehe auch als die „kleinste aber wahre Einzelkirche“ (Karl Rahner) bezeichnen. Wer kirchlich heiratet, stellt sich als Ehepaar in die Gemeinschaft der Kirche. Die Ehe unter Christen ist ein Abbild der liebenden Gemeinschaft zwischen Christus und der Kirche. Gerade wenn die Ehe als Ausdruck der inneren Begegnung mit Christus gelebt wird, wird sie als Sakrament glaubwürdig.

Wer spendet das Sakrament?

Spender und Empfänger des Sakramentes der Ehe sind die beiden Ehepartner selbst, insofern sie als Getaufte Glieder der Kirche sind und das Eheversprechen vor dem zuständigen Priester und zwei Trauzeugen zum Ausdruck bringen.
Ehe heißt: Wort geben und Wort halten!
Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen.

Damit das Sakrament zustande kommt, muss jeder der beiden Brautleute in einer Person zugleich Spender und Empfänger sein. So ermöglicht das Sakrament den zukünftigen Eheleuten gleichzeitig zu schenken und sich beschenken lassen. Diese wundervolle Erfahrung, Spender und Empfänger sein zu können, drückt sich auch in der sexuellen Begegnung von Mann und Frau aus. Die Kinder, die ihnen geschenkt werden, dürfen sie als die glücklichste Bereicherung ihrer Ehe erfahren.

Kein Geheimnis
ist greifbar
mit habsüchtiger Hand
weder der Sternenglanz
am Himmel noch
sein Widerschein
im See und
niemals die Liebe
das scheue Licht
zwischen uns

(Magdalena Rüetschi)

Wo können wir heiraten?

Das Sakrament der Ehe wird in der Regel in der Kirche empfangen, in der die Braut vom Einwohnermeldeamt als zugehörig eingetragen ist. Der trauende Pfarrer ist in der Regel der Ortspfarrer, der aber einen anderen Pfarrer mit der Trauung auch an einem anderen Ort nach Rücksprache betrauen darf.

Welche Voraussetzungen gibt es?

Die Entscheidung zu einer kirchlichen Trauung erfordert einen freien und reifen Entschluss. Dieser muss von den Eheleuten selbst getroffen werden. Es ist eine Entscheidung, an der besonders die Kirche in sehr konsequenter Weise festhält. Es kann auch ein Ausdruck von Ehrlichkeit sich selbst gegenüber sein, sich zunächst nicht kirchlich trauen zu lassen und die Entscheidung darüber noch weiter reifen zu lassen. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger beraten Sie in diesen Fragen gerne.


Beide Ehewilligen müssen, wenn sie dann heiraten wollen, getauft sein, denn nur unter Getauften ist die Ehe ein Sakrament. Vor der Hochzeit sind die Brautleute gehalten, mit dem zuständigen Ortspfarrer ein Traugespräch zu führen.


Einer konfessionsverschiedenen Ehe stimmt die katholische Kirche nur dann zu, wenn der katholische Partner verspricht, sich nach Kräften darum zu bemühen, die gemeinsamen Kinder im katholischen Glauben zu erziehen, soweit das in der Ehe möglich ist.

Wie verläuft die kirchliche Trauung?

Das Brautpaar wird in die Kirche geleitet und hört hier mit seinen Gästen zunächst Gottes Wort. Nach der Predigt werden Braut und Bräutigam öffentlich nach ihrer Bereitschaft zur christlichen Ehe gefragt. Ihre Ringe werden gesegnet. Sie erklären ihren Ehewillen durch einen Vermählungsspruch oder durch ihr Ja-Wort und stecken einander die Eheringe an. Der Priester oder Diakon bestätigt die damit erfolgte Eheschließung „im Namen Gottes und seiner Kirche“. Er erbittet in feierlicher Weise den Segen Gottes für die Neuvermählten. Fürbitten werden gehalten, an die sich noch die Feier der Eucharistie anschließen kann.

Die Gestaltung der Hochzeitsmesse liegt in den Händen der Brautleute. Nach Absprache mit dem trauenden Priester sind viele Möglichkeiten der Gestaltung denkbar: Eine eigene Auswahl von Liedern und Texten ist sehr erwünscht.

Wiederheirat?

Weil das Ehesakrament ein unauflöslicher Lebensbund ist, kann die katholische Kirche die staatliche Ehescheidung nicht als Auflösung des Ehebandes anerkennen. Geschiedene können deshalb zu Lebzeiten ihres früheren Partners grundsätzlich nicht zur katholischen Eheschließung zugelassen werden. Eine Ausnahme bilden die Fälle, in denen die frühere Ehe kirchlicherseits für nichtig erklärt werden konnte. Auskunft über die Voraussetzungen hierzu gibt jeder katholische Geistliche.

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